Beethoven in Holland? Gewagt!

Dies ist ein echter Ellemeet-Text

Beethoven war nie in den Niederlanden. Der Schöpfer der Ode an die Freude in der neunten Symphonie genoss nie die Freuden, die unser Chor jedes Jahr an der niederländischen Nordseeküste verbringt, sondern kehrte bereits 1792 seiner Heimatstadt Bonn den Rücken, um in der damaligen Weltstadt der Musik Wien sein Glück zu suchen und zu finden.
Wir finden immer noch, dass das nicht in Ordnung ist, und haben daher Ludwig an die See verfrachtet. Ellemeet 2012 stand im Zeichen der Missa solemnis op. 123, und das war diesmal ein hartes Stück Arbeit.

Ellemeet – da kriegt so mancher KALOBRHIaner feuchte Augen, wenn er nur den Namen dieses eigentlich recht unattraktiven Ortes an der niederländischen Nordseeküste hört. Warum das so ist, da gibt diese Internetpräsenz beredt Zeugnis von.

Nun also Beethoven. In Chorleiterkreisen nennt man seine große Messe, die der Meister selbst als sein „größtes und gelungenstes Werk“ bezeichnete, auch „Missa beklemmnis“. Keine Abhandlung über das Mammutstück verschweigt, dass die Missa höchste Ansprüche an Akteure und Zuhörer stellt. O weia! Kein Wunder, dass wir uns bereits auf der Busfahrt Mut antrinken mussten. Da kam uns Neumitglied Wolfgang gerade recht, denn zum Einstand hatte er Ouzo eingepackt, nicht 12 Flaschen, wie eigentlich vorgesehen, aber immerhin: Siggi freute sich sichtlich über den Anisschnaps. Nur Andrea war etwas nervös ob der bevorstehenden Aufgabe. Würde sie es wirklich schaffen, die extra zu ihrem Geburtstag entflammten Kerzen auszupusten? Schließlich braucht man viel Luft für den Ludwig aus Bonn. Na ja, sie brauchte zwei Anläufe…

Dass wir nun vor Ehrfurcht erstarrt das übliche Ellemeet-Programm umstrick­ten, um uns nur ganz der Musik hinzugeben, das kann man jedoch nicht schreiben. Allein Elmar leistete schier Unglaubliches. Als Thomas Gottschalk des Chorleitertums (O-Ton eines von seinen ständigen Probenüberziehungen genervten Mitsängers) gönnte er sich keine Pause und probte rund 12 Stunden. Chapeau, Elmar!

Die Männer ließen es diesmal italienisch krachen und rollten 160 Schweinelappen zu Involtini, gefüllt mit Parmaschinken, Mozzarella und Salbei, begleitet von einer herzhaft-würzigen Ratatouille und Kartoffeln in Rosmarin und Knoblauch. Abgerundet wurde das kulinarische Spektakel durch Grappa und Ramazzotti. Selten arbeitete die Männerrunde so effizient. Wahrscheinlich lag es an der generalstabsmäßigen Ansprache des Präsidenten von Chor und Küche. Manch einer lernte dabei, Salbei von Oregano und Kartoffeln von Zuccini zu unterscheiden. Manche Diskussion um die richtige Würze wurde mit Waffen geführt. Ulrike war während des Wochenendes überwiegend am Schlafen, konnte sich letztlich aber doch noch sinnvoll einbringen. Die Frauen sind einfach die besseren Spülerinnen, so die einhellige Meinung des Fünf-Sterne-Kochteams.

Anja hatte ihren Eierlikör mit Doppelkorn gemacht, weil sie meinte, er würde dann länger halten. Wie überflüssig diese an sich lobenswerte Rezeptur war, zeigte sich bereits am ersten Abend, denn länger hielt das Gesöff nicht. Hans-Peter entwickelte während der sonntagmorgendlichen Tenorprobe eine frühmusikalische Demenz, Rita mauserte sich zur neuen „Notenschlampe“, und Petra hielt den Alt für einen Selbstläufer. Recht hat sie! Allerdings fragt man sich ständig, wo sie denn hinlaufen, unsere mitunter verwirrten Altistinnen. Als dann noch zwischen Elmar und Steffi die (elektrischen, wirklich nur elektrischen, Anm. des mit der funkensprühenden Steffi verheirateten Autors) Funken flogen, dichtete dieser gleich die Ballade vom Notstromaggregat. Schade Elmar, für den Grandprix in Baku ist es zu spät.

Großen Spaß machte kurz vor Abreise Jochens Fotoaktion. Statt des obligatorischen Gruppenbildes gab es diesmal eine echte Performance. Dabei zeigte sich die ausgeprägte Wertschätzung für Ludwigs Notenwerk, denn manche Sängerin und mancher Sänger vollbrachten akrobatische Leistungen, um die Noten vor dem Sturz auf den nassen Rasen zu bewahren. Elmar nahm's zufrieden, Ludwig hoffentlich auch…

Es war eigentlich wie immer, und das ist sicher auch gut so.