Von Herzen —
möge sie zu Herzen gehen

Zwei überaus erfolgreiche Aufführungen der Missa solemnis von Ludwig van Beethoven in Lobberich und Rheydt

Es gibt eine Videoaufzeichnung einer Chorprobe vom 24. Juni 2010. Nur mal so zum Spaß holte Elmar an diesem Tag die ersten beiden Seiten vom Gloria aus der Missa solemnis heraus und ließ uns singen. Ungläubige Blicke, gequältes Gelächter, schräge Töne waren die Folge. Ein Teil des Sopran zog spontan in den Alt, der (zu) hohen Töne wegen.

Danach verschwand Beethovens opus magnum wieder im Archiv, da sich KALOBRHI um die anstehenden Konzerte kümmern musste. Der ursprünglich mal auf November 2011 veranschlagte Aufführungstermin wurde auf Herbst 2012 verschoben. So groß ist das Werk Beethovens, so groß der Respekt, und so schwierig die Arbeit daran.

Künstlerkollegen hatten Elmar allen Ernstes gesagt, er müsse verrückt sein, sich an diese „Messe-Oper” (so der Hamburger Musikwissenschaftler Sven Hiemke) zu wagen.

Als wir dann im Frühjahr 2011 nach unserem Factorysound-Projekt mit der intensiven Probenarbeit begannen, kamen uns manche Zweifel. Unermüdliches Arbeiten am Gloria, am Credo, Rückschritte, Frust – und immer wieder Elmar, der uns motivierte, aufrichtete, an uns und die Wirkung Beethovens Musik glaubte.
Ab 2012 dann Sponsoren finden, Organisation von Orchester und Solisten, Plakate planen, Texte, Pressearbeit, finanzielles Risiko, ein Mammutprojekt eben.
Für mich kam der Durchbruch bei einer Sonderprobe in Kevelaer im Sommer des Jahres, nur wenige Wochen vor der Premiere. Plötzlich saßen die Einsätze, plötzlich begann der Chor voll zu klingen, plötzlich wirkten die harmonischen Wendungen, plötzlich klappte das Zählen bei den unzähligen Tempiwechseln.

Und dann ist es schon der 30. September, dann sitzen auf einmal 400 Zuhörer in St. Sebastian in Nettetal-Lobberich, und um Punkt 19.00 Uhr intoniert der Chor das Kyrie.
Die Rheinische Post wird zwei Tage später schreiben „Viel gewagt und viel gewonnen”. Besser kann man unser Beethovenprojekt nicht in einer Überschrift zusammenfassen.

Hier soll nicht verschwiegen werden, dass nicht alle Einsätze perfekt saßen, dass wir mit der halligen Akustik der Lobbericher Kirche zu kämpfen hatten, auch nicht dass so eine Aufführung an die physischen Grenzen geht (Elmar berichtete, er sei schon nach dem Gloria total durchgeschwitzt gewesen).
Am Ende gewinnt die Musik, die tolle Leistung unseres Solistenquartetts consonanz à 4 aus Bremen (Danke an Annette, Wiltrud, Bernhard und Allan), das wunderschöne Violinensolo „unserer” Konzertmeistern Gabi Ziebell, der harmonische Klang des Rheinischen Oratorienorchesters, und wir waren klanglich auch auf der Höhe.
Stehende Ovationen in Lobberich bewiesen dies.

Drei Tage später dann St. Marien in Mönchengladbach-Rheydt, routinierter Aufbau in der Kirche, dank der freundlichen Unterstützung von Pfarre und insbesondere des Küsters.
Und noch einmal 250 Leute, die uns hören wollen, und die hinterher nicht aufhören zu klatschen. Die zweite Aufführung gelang nicht nur nach Meinung des Chronisten besser, reibungsloser, schöner. Ergriffen konnte man der Musik lauschen, wenn der Chor mal schwieg (das tut er nicht oft).

Danke an alle, die dieses Projekt unterstützt haben, an alle, die mitgeholfen haben, vom Kartenvorverkauf bis zum Podesteschleppen, danke, Elmar, für die fortwährende Motivation – und die Leistung überhaupt.

Beethoven schrieb für die Messe die Widmung „Von Herzen, möge sie zu Herzen gehen”. Dass die Musik von Herzen kommt, wollen wir dem Meister aus Bonn gerne glauben, dass sie zu Herzen geht, konnten wir am Wochenende erfahren.
Das wissen wir jetzt!