Fürchte dich nicht, es geht schon gut

Neue Klänge in einem ungewöhnlichen Konzert

Ein Erlebnis in „Dolby Surround”: So wurde unsere Zugabe wahr- genommen. Für die abschließende elegische Motette „O magnum mysterium” des dänisch-amerikanischen Komponisten Morten Lauridsen versammelten wir gut 40 Sängerinnen und Sänger uns um die ersten Bänke des Hauptschiffes und gaben damit die übliche Choraufstellung auf.
Die eine oder andere Person blickte zunächst ein wenig erstaunt, so unmittelbar von Chormitgliedern „angesungen” zu werden. Man sah aber viele Augen und Ohren, die abwechselnd versuchten, hierhin (in die Einzelstimme) und dann wieder dorthin (in den Gesamtklang) hineinzulauschen – nicht nur für uns Sängerinnen und Sänger war das eine neue Erfahrung.
Mancher Zuhörerin und machem Zuhörer trieb es glatt die Tränen in die Augen. Die Stimmen mischten sich perfekt in der ganz speziellen Akustik St. Sebastians in Nettetal-Lobberich.
Dass die „Halleluja”-Phrase nicht ganz so kraftvoll gelang, wie es sich unser Chorleiter wünschte, tat dem Gesamteindruck sicher keinen Abbruch.

Auf Einladung des Fördervereins der Kirchenmusik an St. Sebastian hatten wir ein 90-minütiges Konzert gegeben, dessen Schlusspunkt die Motette von Lauridsen war.
Anspruchsvolle Kirchenmusik an St. Sebastian zu Gehör zu bringen, das ist Ziel und Zweck des Fördervereins, der sich im Dezember 2009 gegründet hat.

Zuvor brachten wir Bachs Motette für zwei Chöre und acht Stimmen „Fürchte Dich nicht, ich bin bei dir”. Was hatten wir uns schwer getan mit der Musik des großen Barockkomponisten. Aber schon bei der Generalprobe konnten wir sicher sein, dass es funktionieren würde. Unterstützt von Martin an der kleinen Orgel gelangen die Einsätze, das Tempo und die Intonation. Auch wenn die große Kirche mit ihrem 11 Sekunden Nachhall nicht der ideale Raum für diese Musik ist, der Bach war ein Erlebnis.

Und dann Hugo Distler! Zum Auftakt sangen wir die Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied”. Da wechseln die Tempi taktweise.
Sicherlich ist das nicht jedermanns Musik, aber ohne Frage technisch sehr anspruchsvoll. Vielleicht gerieten einige Phrasen noch etwas unsicher, zumal das Stück eben auch ganz am Anfang des Programms stand, aber Elmar war sich hinterher sicher, dass er „sehr viele schöne Stellen” gehört hatte.

Im Mittelteil des Konzertes lieferten wir fast schon routiniert die drei Marienmotetten des monegassischen Komponisten Henri Carol ab. Die „Lieblingsstelle” des Bass (… sed a periculis …) wird auch von mal zu mal besser ;-)
Schließlich war auch – vielleicht einmal vom 1. Satz abgesehen – die Brahms-Motette „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen” ein Glanzstück des Konzertes.

Elmar rundete das Programm mit seinen souveränen Improvisationen an der großen Koch-Lorenz-Orgel sowie mit Bachs „Präludium und Fuge Es-Dur” an der kleinen Barockorgel eindrucksvoll ab.

Gut 200 Zuschauer dankten uns mit stehenden Ovationen.