Ein Sommernachts(tag)traum

Um es kurz mit einem alten, sehr berühmten Engländer zu sagen, an dessen literarischem Niveau ich nie werde kratzen können:
Und so weit bin ich froh, daß so sich´s fügt,
weil diese Balgerei mich sehr vergnügt.
Puck
Es war ein Bilderbuchtag - in jederlei Beziehung.
Das Wetter ist ja (man soll den Tag nie vor der Nacht loben) stets ein treuer Freund, wenn unser Chor denn mal was für draußen geplant hat. Und so war es auch an diesem Septembertag, beste Voraussetzungen also, um unser Sommerfest zu begehen.
In diesem Jahr durften wir den Tag in einem besonders schönen und stimmungsvollen Ambiente verbringen. Brigitte und Hans-Peter hatten uns ihr Anwesen (und so kann man es ja auch ruhig bescheiden nennen) in Brüggen zur Verfügung gestellt und wir konnten nah am Busen der Natur dem Leben frönen.

Petra und Brigitte hatten mit viel Mühe und Liebe zum Detail einen stimmigen Tag vorbereitet, der leicht und fröhlich dahinglitt und wunderbar gelang.
Das Tagesprogramm war absolut schlüssig – Kuchen zu Beginn und Grillfleisch am Ende umrahmten sättigend die Schnitzeljagd als Zentrum des Tages.

Gab es anfangs noch skeptische Befürchtungen und den Vorschlag, man solle doch eine extreme Abkürzung direkt zum Kühlschrank nehmen, um gleich dort die Schnitzel zu erjagen, so wurden mit der Dauer des Spiels alle zu glühenden Anhängern.
Jeweils von einem sympathisch sympathisierenden Gruppenleiter angeführt - Dank an Anna, Brigitte, Martina, Petra und Hans-Peter (Du bist der Beste!), musste sich jede Gruppe den härtesten körperlichen Herausforderungen und anspruchsvollsten Denksportaufgaben stellen.
Denn egal ob Strapse im Baum, am Weidenzaun gekreuzigte Barbies, Einmachgläser oder Boulekugeln in Gewässern, Zapfen in Eimern oder Papierböötchen auf dem See, so vielfältig hatte man ein solches Spiel selten erlebt.

Krönender Höhepunkt aber DER KLASSIKER: die Kleiderkette. Aus den bei sich getragenen Kleidungsstücken muss eine möglichst lange Kette gelegt werden. Große und enthemmte Exhibitionisten sind hier klar im Vorteil - wer mehr ablegt, macht mehr Meter.
Und so kam es, wie es kommen sollte. Teenagern gleich entledigte sich auch der gesetzteste Mittvierziger seiner Kleidungsstücke inklusive aller entbehrlichen Dessous. Reizende BHs wanden sich neben ausdünstenden Wanderstiefeln in langen Schlangen den Waldweg entlang (— Thrombosestrümpfe wurden beruhigenderweise nicht gesichtet). Orangenhaut und Bierbauch gesellten sich fröhlich in vergehender Schönheit zueinander.
Und hier bin ich, verrückt in diesem Wald.
Demetrius
Zufällig vorbeikommende Wanderer beschleunigten unwillentlich ihren Schritt (bis auf einen freundlich lächelnden Spanner), um dieser unwirklich erscheinenden Szenerie zu enteilen.

Es konnte so eigentlich nur Sieger geben bei diesem Spiel — aber, so wollte es der (anderthalbstündige!) Rat der Organisatoren, es konnte nur einen geben.
Und so, in einer denkwürdigen olympischen Feierstunde, illuminiert von Tausenden von Kerzen, erstrahlt durch das Funkeln der Sterne am Firmament und besungen mit der Hymne der Sieger wurden den Champions schließlich ihre Medaillen umgehängt und das Spiel würdevoll abgeschlossen.