zwei großartige Konzerte

Am Ende war Schweigen.
Das „Amen” zum Schluss des Stabat Mater hatte sich in den Kirchenhimmel geschraubt, die drei letzten Takte des Orchesters antizipierend.
Und es war Stille in St. Anna in Mönchengladbach-Windberg.

Consumatum est.
Vergessen die Mühen, die Arbeit an den Dissonanzen, die das Werk uns vorgab. Vergessen die Sorgen, ob wir uns so ein Konzert zum 15-jährigen Jubiläum überhaupt leisten können. Vergessen die viele Arbeit, das Tragen der Podeste, das Rücken der Stühle, das Entwerfen von Plakaten und Programmheften, das Kochen und Backen, um 110 Mitwirkende zu versorgen…

Am Ende war Schweigen.
60 Sängerinnen und Sänger wagten nicht zu atmen, des gleichen die 250 Zuhörer im Kirchenschiff. Die Bogen der Geiger verharrten, zitter- ten nicht einmal.
In der ersten Reihe der Zuhörer bewegte eine Frau
in einem braunen Mantel wie in Zeitlupe die Hände,
um zu klatschen, schien sich aber nicht zu trauen.
In diesem Moment des Schweigens imponierte die
Bewegung wie eine obszöne Geste.
Als Elmar am Dirigentenpult schließlich die Arme
sinken ließ, wir es ihm mit den Notenmappen
gleich taten, löste sich die Spannung in gro-
ßem Applaus und Standing Ovations, wie am
am Tag zuvor bei den 380 Zuhörern in Lobberich
zur Premiere.

Consumatum est.
Ohne Frage war das Jubiläumskonzert mit
César Francks „Die sieben Worte Jesu am
Kreuz” und dem „Stabat Mater” von
Francis Poulenc der -bisherige- Gip-
fel unserer Chorgeschichte. Beglei-
tet von den fantastischen Musi-
kern des Rheinischen Oratorien-
orchesters mit ihrer Konzert-
meisterin Gabi Ziebell sowie
den Solisten Ute Steinhauer, die mit ihrem glasklaren Sopran das „Gloria paradisi” beschwor und Markus Heinrich (Tenor) und Stefan Wolf (Bass).

Demut empfand Elmar angesichts der Leistung seiner Sängerinnen und Sänger und ihrem Engagement. Und wir können wiederholt unserem Chorleiter Dank aussprechen, der uns zu dieser Leistung motiviert hat, der Probentage festsetzt, mit uns nach Ellemeet fährt und unermüdlich an unserem Gesang feilt.

Am Ende war Schweigen.
Die Musik, anfangs kritisch begleitet, hatte uns längst gefangen, ob Francks meditativ elegische Weisen, die das Leiden Christi am Kreuze einfingen, oder die teils wuchtigen Töne Poulencs, die uns den Schmerz der heiligen Mutter über den Tod ihres Sohnes offenbarten. Mancher fand einen tiefen Glauben in den Klängen, die wie ein Gebet zur Passionszeit die Kirchen von St. Sebastian und St. Anna durchfluteten.

Am Ende war Schweigen - und für einen heiligen Moment wünschte man sich, es möge ewig währen. Amen.