Welcome to the British Empire

Es war schon komisch, so in der Abendsonne draußen vor der Kirche zu stehen und mit dem Singen zu beginnen, mit „Rule Britannia” via Sakristei in die Alte Kirche einzumarschieren, den vorausgegangenen Frauen folgend. Als ich die Kirche betrat und etwas unbeholfen – selbstverständlich weiter singend – das Podest erklomm, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Tenöre vor mir schon eine knappe Sekunde weiter waren. Aber mit dem Schlussakkord waren wir wieder zusammen und mir wurde gewahr, dass großartige 180 Gäste den Weg in unser Konzert gefunden hatten.

Geschmückt war die Kirche mit dem Union-Jack, einzelne blau-rote Farbspots brachten zusätzliche britische Elemente, und ja, da saßen sie auch, die „Friends Of British Royality, German Section”, mit einem „Warm Welcome” von André begrüßt, in vollem Ornat. Nur Erhard – er hat ja auch mal bei uns gesungen – ging irgendwann die Schärpe verlustig, wahrscheinlich weil er so ergriffen war von unserer Musik.

Byrds „Sing joyfully”, der Opener, war im Mittelteil noch etwas wackelig, doch schon bei den Songs von Morley steigerten wir uns, von dem ewig lächelnden Elmar zu Achterbahnfahrten der Dynamik ermuntert.
Und während bei Purcells „Lord…” der Chor im Fortissimo brillierte, holten uns die sanften Klänge der beiden Gitarristen wieder zurück. Markus Birkhoff und Steffen Gumpert setzten mit ihren Klängen die besinnlichen Momente des Konzertes, für viele von uns mal eine ganz andere Musik.

Beim „Justorum animae” von Stanford wurde Susanne panisch, denn sie war felsenfest überzeugt, dass Elmar die falschen Noten vor sich hatte und meinte, er würde jetzt „The rising of the moon” oder so intonieren, während wir von der Hand Gottes säuseln. Es ging alles gut.
In meinen Augen war der Stanford sogar besonders gelungen (was man vom darauf folgenden Rutter eher nicht sagen konnte).

Und dann kam Elgar, „Der Liebe Sturm” („Love’s tempest”) war noch bei der Generalprobe zu einer Art Schwimmzirkel im Dorfteich geworden, und jetzt – nicht wahr Elmar? – saßen die Einsätze, röhrte der Sturm, elegierte die Liebe, rauschten die Wogen und tosten Meer und Gefühle.
Zu viel? Nee, musikalisch war das der Höhepunkt des Konzertes. Elgar hätte sich gefreut, dies kurz vor seinem 150. nochmals hören zu dürfen.

Bernhard Zanders von den „Royals”, bis dato eher zurückhaltender Zuhörer in der ersten Reihe, lächelte dann erstmals bei Parrys „Jerusalem”, welches auf Englands grünen Hügeln errichtet werden soll, und was tausende Kehlen jedes Jahr bei der Last Night of the Proms in London schmettern, gröhlen oder wie auch immer.

Es folgte der Beatles-Block, nach meiner Meinung nicht der stärkste Part des Konzertes. Haben wir vielleicht die – uns alt bekannten – Lieder übergesungen?
Das aber soll Benjamins, Michaels und Andreas Leistung im ersten Tenor bei „Here, there and everywhere” nicht schmälern. Großartiger Part, ihr Drei!

Mit dem Folk-Block zum Schluss des programmatisch vierteiligen Konzertes brachten wir Stimmung in die Kirche. Erwartungsgemäß gab es den meisten Applaus bei „Mairi's wedding”; klar, denn wir sangen auswendig und haben auch – nicht immer im Takt, nicht wahr, Conny? – geklatscht.
Nach „Loch Lomond” wurden wir Männer dann noch von den Mädels mit ihrem „Greensleeves” verzückt, ehe wir Priyantha an die Fidel, Elmar ans Klavier und Markus und Steffen an die Saiteninstrumente brachten: Mit „The rising of The moon” fand das Konzert nach 90 Minuten einen gelungenen Abschluss.

Klar, dass dann noch eine Zugabe erfolgte: Die Männer sangen „Rule Britannia” immerhin drei Strophen(!) lang, und ich darf hinzufügen, Jungs, denn ich habe in die Aufnahme schon reingehört, echt nicht schlecht.
Besinnlich schickten wir die Gäste mit „An irish blessing” nach Hause.

Lieber Elmar, es war kein Patchworkkonzert, wie wir zwischenzeitlich gedacht hatten, es war ein rundes stimmiges Konzertprogramm durch die Jahrhunderte und eine perfekt aufeinander abgestimmte Musikauswahl. „Can't buy me love” im Madrigalstil nicht unter den Beatles-Block zu mischen, war ebenso richtig, wie mit Rutter vor dem Elgar Luft zu holen und mit dem ruhigen irischen Gebet aufzuhören.

Allen die mitgeholfen haben, Kirche, Deko, Plakate, Karten und den Musikern ein warmes Lob via Internet. Aber auch unserem Präsi gebührt an dieser Stelle mal Dank für den unermüdlichen Einsatz hinter den Kulissen und einmal kurz davor: Mensch, André, ich wusste gar nicht, dass Du so gut englisch sprichst ;)