Swing- & Jazz-Abend im Saal





Am Ende war es vor allem eine konditionelle Leistung, so Elmar.
Unser Chorleiter meinte, vor einem Jahr hätten wir es noch nicht durch gestanden, nahezu ununterbrochen von 15.30 Uhr bis 23.00 Uhr auf der Bühne zu stehen und zu singen.

Denn bereits nachmittags um halb vier hatten wir uns im Kaldenkirchener Saal „Zur Mühle” eingefunden, um unser abendliches Konzert „Springtime Jazz” nach dem letzten Schliff in Ellemeet noch den allerletzten Schliff zu geben.

Unser neu gegrün- deter Festausschuss (was für ein Name!) hatte dabei Groß- artiges geleistet, indem aus dem eher tristen Veranstal- tungssaal (Stich- wort: Karneval, Bulletten und Bier) einen stimmungsvollen Aufführungsort mit anspruchsvoll gestalteter Bühne gemacht hatte. An den Wänden imponierten Vorhänge in Gelb und Weiß, und Strahler in Gelb und Rot sorgten für das stimmungsvolle Licht.

Dann wurde glatt vier Stunden mit nur wenigen Unterbrechungen ge- probt, zunächst a cappella, dann mit der Combo und zuletzt mit der langsam eintrudelnden gesamten Band von „Jazzability” aus Ratingen.
Was für ein Schalldruck in dem auf einmal viel zu kleinen Saal!
Und wie auch im Vorjahr, als wir mit der „United Jazz Company” auf dem Naturschutzhof aufgetreten waren, klappte das Zusammenspiel mit der Band auf Anhieb.

Dann noch ein paar Hot Dogs und hier und da ein Bierchen zur Stärkung verdrückt, und auf zum dreistündigen Jazzkonzert in betont lockerer Atmosphäre.
Elmar begann das Programm mit „Lullaby Of Birdland”, weil er das fetzige „Hip To Be Square” nicht wie letztes Jahr bereits am Anfang „verbraten” wollte.
Dann durften sich schon Susanne und Johannes solistisch im stimmungsvollen „Summertime” von George Gershwin profilieren, was auch mit Bravour gelang. Und dann ging es Schlag auf Schlag: „Moonglow”, „Satin Doll”, „Somewhere Over The Rainbow”, „I've Got A Gal in Kalamazoo”.

Waren die rund 120 Zuhörer im Saal zunächst noch verhalten, sprang der Funke spätestens nach „Chattanooga Choo Choo” (besser bekannt als „Sonderzug nach Pankow” vom Lindenberg) über, um beim ersten Höhepunkt „All About The Blues” in Szenenapplaus bei den Instru- mentalsolisten der Band zu münden. „New York, New York” (nicht nur André war überrascht, dass das Stück gerade mal 29 Jahre jung ist) war dann das Tüpfelchen auf dem i.

Auch dieses Mal durften die Männer ihr Programm der jährlichen Altweiberproben zum Besten bringen. War der „Java Jive” diesmal echt gut, schwammen unsere Männer beim Comedian Harmonists Stück „Wenn ich vergnügt bin...” in dem fünfstimmigen Satz spätestens bei der Phrase „ische basche dede lowe” ein wenig. Zu diesem Zeitpunkt kochte der Saal aber schon.
Und zum Schluss „Georgia on my mind”, Andrés Lieblingsstück und Susannes fulminantes Solo, gefolgt von „With A Little Help From My Friends”. Elmar war nur begeistert, wie exakt wir diesen Satz nach knapp acht Stunden noch rüberbrachten.
Zwei Zugaben und reichlich Applaus rundeten das Konzert ab.

Bandleader Paul Anders dankte artig für die Einladung und deutete an, dass dies nicht dass letzte Zusammen- spiel gewesen sein muss. Immerhin kennen wir ja auch schon die Namen der einzelnen Bandmitglieder nach zahlreichen intermittierenden Vorstellungsrunden. So wurde der - ausgezeichnete - Trompeter Michael Kuhl gleich dreimal namentlich erwähnt.
André war da viel be- scheidener, moderierte gekonnt durchs Pro- gramm, gab die ein oder andere Anekdote zum Besten und war auch wieder bei den letzten, die den Saal in den Urzustand versetzten.

Fazit: Gelungenes Konzert, ein paar Zuhörer zu wenig, ein Saal, der viel besser war als sein Ruf und eine funktionierende Gastronomie, sowohl seitens der Mühle als auch auf unserer Seite.
Kommt nächstes Jahr der "Autumn Jazz"?